Heute mal ohne Alkohol:
Die GEMA geht einigen Leuten gehörig auf den Sack – aber warum genau?
Die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ (kurz GEMA, ihr seht wo der Murks anfängt) ist ein wirtschaftlicher Verein, der die Rechte von 60000 inländischen und Millionen ausländischen Künstlern vertritt.
Wenn z.B. bei einem Konzert ein Lied eines anderen Künstlers gecovert wird, sammelt die GEMA das Geld für den Künstler ein, das ihm zusteht. Ein Künstler alleine würde ja gar nicht mitbekommen, wo seine Lieder gespielt werden, und könnte auch nicht den Aufwand betreiben, überall Geld einzufordern.
So weit, so gut.
Nun gilt in Deutschland die umgekehrte Beweisführung: Nicht die GEMA muss beweisen, dass bei einem Konzert ein GEMA-registriertes Stück gespielt wurde, sondern der Veranstalter muss beweisen, dass dem nicht so war – oder zahlen. Wenn nun eine Veranstaltung nicht mindestens 5 Tage vorher angemeldet wurde und im Nachhinein die korrekt ausgefüllten und ultrabürokratischen Musikfolgebögen an die GEMA gesendet werden, will die GEMA gleich mal das Doppelte vom Preis (es ist übrigens preislich egal, ob 1 oder 100 GEMA-registrierte Werke gespielt wurden).
Vom Preis?

(Tariftabelle 2010)
Die Tarife der GEMA muten etwas… nennen wir es… asozial an (auf’s Bild klicken um genaueres zu sehen): Wer sich die Tarifliste ansieht, merkt, dass beispielsweise eine Veranstaltung in einem Raum mit 150 qm und 5 Euro Eintritt 154,60 Euro plus 7 Prozent Umsatzsteuer (also 165,42) kostet. Bei einem vollen Konzert mit 200 Personen (eine recht hohe Zahl, denn der Platz der Bühne, Theke, Backstageraum etc. zählt natürlich zu den Quadratmetern des Raums dazu) macht die GEMAgebühr hier über 15% des Umsatzes (nicht des Gewinns!) aus. Bei weniger Besuchern geht der prozentuale Anteil natürlich drastisch und u.U. auch auf über 100% hoch.
Vergleichen wir dies mit einem größeren Veranstaltungsort:
Wie wäre es im gleichen Raum mit 10 Euro Eintritt? Hier gehen die Gebühren auf sage und schreibe… 184,36 hoch! Bei wieder 200 Besuchern sinkt der prozentuale Anteil der GEMAgebühren auf ca. 9%.
Gehen wir nun in einen 10x größeren Raum bei auch 10 Euro Eintritt: Die GEMAgebühr erhöht sich nicht um das 10-fache, sondern nocht nich einmal um das 2-fache (auf 335,76 ink. UmSt)! Noch nicht einmal mehr 2% gehen an die GEMA.
Lange Rede, überhaupt kein Sinn: Je kleiner und günstiger ein Konzert für den Besucher, desto mehr muss der Veranstalter blechen. Je größer und kommerzieller, desto billiger wird es für den Veranstalter.
Es gibt noch unzählige Kritikpunkte an der GEMA, aber dieser ist so himmelschreiende, dass ich es satt habe, wenn mir gerade kleine Künstler was tolles von der GEMA erzählen. Kleinere Locations werden absolut über den Tisch gezogen und zu dem noch behandelt wir Kriminelle (wobei, es ist auch mal ganz lustig, wenn die GEMA einen gleich mit 20 Anwälten gleichzeitig verklagt, die haben ne ganze Kanzlei). Darunter leiden auch die Künstler, vor allem wenn man sich ansieht, dass eine Gage von 200 Euro aufwärts sehr rar ist, die GEMA Gebühr in dem Rahmen aber nicht.
Für gemeinnützige Jugendzentren gibt es zumindest teilweise einen Ausweg, den WR-OKJE Vertrag, ich werde da demnächst was in die Randspalte klatschen, hauptsächlich, damit es darüber mal ne Zusammenfassung im Internet gibt. Diese Entlastungen für Juzes scheint einen classified-Status auf CIA-Ebene zu haben.
Richard
Quellen:
Das Gehirn meines Roadies (8 Jahre Erfahrung im Jugendzentrum seiner Wahl)