Richard Oax / Nach dem Sturm

17. Februar 2011

Frontex / Festung Europa

Filed under: Allgemein — Richard @ 01:36

Das ist ja mal wieder eine Meisterleistung. Nach dem viel gelobten Umsturz der tunesischen Regierung bleibt den Europäern beim Anblick von tunesischen Flüchtlingen das Lob im Halse stecken und es kommt nur krächzend “Frontex” heraus.

Währendessen debattieren unsere Zeitungen, ob Guttenberg nun in einer politisch irrelevanten Arbeit abgeschrieben hat oder nicht. Das ist nicht mehr und nicht weniger Ablenkung:

Bei der Situation mit den tunesischen Flüchtlinge in Italien soll professionell von Frontex ‘geholfen’ werden: Ein EU-Organ, dass für Grenzsicherheit zuständig ist und dessen einzige Aufgabe es ist, die Festung Europa zu sichern. Hilfe für Tunesier heisst das natürlich nicht, im Gegenteil. Und die Regierung bekräftigt ein Mal mehr: Wir sind humanitär, aber wir wollen das auf keinen Fall beweisen.

Frei nach Propagandhis Fuck the Border:

“A friend of mine dropped me a line
It said, “man, I gotta run to Europe
I got no money, got no job”
She skipped out of Tunesia to stay alive

You’ve got a problem with her living here
But what did you do to help her
Before she fucking came?
What did the country do?

What did the country do?
What did the people do?
What did the country do?
What did the people do?

I stand not by my country
But by people of the whole fucking world
No fences, no borders
Free movement for all

Fuck the border
Fuck the border
Fuck the border
Fuck the border

It’s about fucking time to treat people with respect
It’s our culture and consumption that makes her life unbearable
Fuck this country, its angry eyes, its knee-jerk hordes
Legal or illegal

Watch her fucking go
She’ll take what’s hers
Watch her fucking go

Fuck the border
Fuck the border
Fuck the border
Fuck the border”

24. Juni 2010

GEMA – auch 60000 Menschen können irren

Filed under: Allgemein — Richard @ 23:40

Heute mal ohne Alkohol:

Die GEMA geht einigen Leuten gehörig auf den Sack  – aber warum genau?

Die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ (kurz GEMA, ihr seht wo der Murks anfängt)  ist ein wirtschaftlicher Verein, der die Rechte von 60000 inländischen und Millionen ausländischen Künstlern vertritt.

Wenn z.B. bei einem Konzert ein Lied eines anderen Künstlers gecovert wird, sammelt die GEMA das Geld für den Künstler ein, das ihm zusteht. Ein Künstler alleine würde ja gar nicht mitbekommen, wo seine Lieder gespielt werden, und könnte auch nicht den Aufwand betreiben, überall Geld einzufordern.

So weit, so gut.

Nun gilt in Deutschland die umgekehrte Beweisführung: Nicht die GEMA muss beweisen, dass bei einem Konzert ein GEMA-registriertes Stück gespielt wurde, sondern der Veranstalter muss beweisen, dass dem nicht so war – oder zahlen. Wenn nun eine Veranstaltung nicht mindestens 5 Tage vorher angemeldet wurde und im Nachhinein die korrekt ausgefüllten und ultrabürokratischen Musikfolgebögen an die GEMA gesendet werden, will die GEMA gleich mal das Doppelte vom Preis (es ist übrigens preislich egal, ob 1 oder 100 GEMA-registrierte Werke gespielt wurden).

Vom Preis?

(Tariftabelle 2010)

Die Tarife der GEMA muten etwas… nennen wir es… asozial an (auf’s Bild klicken um genaueres zu sehen): Wer sich die Tarifliste ansieht, merkt, dass beispielsweise eine Veranstaltung in einem Raum mit 150 qm und 5 Euro Eintritt 154,60 Euro plus 7 Prozent Umsatzsteuer (also 165,42) kostet. Bei einem vollen Konzert mit 200 Personen (eine recht hohe Zahl, denn der Platz der Bühne, Theke, Backstageraum etc. zählt natürlich zu den Quadratmetern des Raums dazu) macht die GEMAgebühr hier über 15% des Umsatzes (nicht des Gewinns!) aus. Bei weniger Besuchern geht der prozentuale Anteil natürlich drastisch und u.U. auch auf über 100% hoch.

Vergleichen wir dies mit einem größeren Veranstaltungsort:

Wie wäre es im gleichen Raum mit 10 Euro Eintritt? Hier gehen die Gebühren auf sage und schreibe… 184,36 hoch! Bei wieder 200 Besuchern sinkt der prozentuale Anteil der GEMAgebühren auf ca. 9%.

Gehen wir nun in einen 10x größeren Raum bei auch 10 Euro Eintritt: Die GEMAgebühr erhöht sich nicht um das 10-fache, sondern nocht nich einmal um das 2-fache (auf 335,76 ink. UmSt)! Noch nicht einmal mehr 2% gehen an die GEMA.

Lange Rede, überhaupt kein Sinn: Je kleiner und günstiger ein Konzert für den Besucher, desto mehr muss der Veranstalter blechen. Je größer und kommerzieller, desto billiger wird es für den Veranstalter.

Es gibt noch unzählige Kritikpunkte an der GEMA, aber dieser ist so himmelschreiende, dass ich es satt habe, wenn mir gerade kleine Künstler was tolles von der GEMA erzählen. Kleinere Locations werden absolut über den Tisch gezogen und zu dem noch behandelt wir Kriminelle (wobei, es ist auch mal ganz lustig, wenn die GEMA einen gleich mit 20 Anwälten gleichzeitig verklagt, die haben ne ganze Kanzlei). Darunter leiden auch die Künstler, vor allem wenn man sich ansieht, dass eine Gage von 200 Euro aufwärts sehr rar ist, die GEMA Gebühr in dem Rahmen aber nicht.

Für gemeinnützige Jugendzentren gibt es zumindest teilweise einen Ausweg, den WR-OKJE Vertrag, ich werde da demnächst was in die Randspalte klatschen, hauptsächlich, damit es darüber mal ne Zusammenfassung im Internet gibt. Diese Entlastungen für Juzes scheint einen classified-Status auf  CIA-Ebene zu haben.

Richard

Quellen:
http://www.gema.de/musiknutzer/abspielen-auffuehren/veranstaltungen-musiknutzer
http://www.gema.de/page/faq/
Das Gehirn meines Roadies (8 Jahre Erfahrung im Jugendzentrum seiner Wahl)

19. Mai 2010

Ein Fund der Vergangenheit

Filed under: Allgemein — Richard @ 01:10

“Frau Woolstonecraft hat unbestreitbar bewiesen, dass Frauen in jeder Hinsicht Männern gleich sind.”
[...]
“Auf die selbe Weise ist es bewiesen, dass Tiere gleich sind wie Menschen. Und so muss nun nur noch gezeigt werden, dass es mit Gemüse, Mineralien und selbst dem kleinste Klumpen Erde genauso steht; dass diese erhabene Theorie ausgiebig und akkurat diskutiert wird, und durch ihre unbestreitbare Anhäufung an Fakten das Konzept der Regierung unterwandert wird, Unterordnung verboten wird, und dass alle Dinge überall und in jeder Hinsicht gleich wie alles andere sind.”

–Thomas Taylor, Englischer Philosoph in seinem Versuch, die Argumente für die Rechte der Frauen lächerlich zu machen: “A Vindication of the Rights of Brutes” 1792.

Wie schön, dass sich die Argumentationsweisen der Menschen auch nach 200 Jahren nicht ändern.

Edit: War schon klar, dass das nicht ganz verständlich ist, daher Aufklärung: Mary Woolstonecraft hat 1792 ihr Werk “A Vindication of the Rights of Woman” herausgebracht, in dem sie aufzeigt, dass Männer und Frauen gleich und gleich viel Wert sind und daher auch gleiche Rechte haben. Thomas Taylor veröffentlichte daraufhin noch im selben Jahr (zu Beginn anonym) seinen Aufsatz “A Vindication of the Rights of Brutes”, in dem er zynisch behauptet, dass in dieser Logik auch Tiere Rechte hätten, was seiner Ansicht nach nun völliger Schwachsinn sei, eben genauso wie volle Rechte für Frauen.

In der Tradition Talyors argumentieren auch heute noch die meisten Menschen gegen Tierrechte (völliger Schwachsinn!) und vergleichen diese mit Rechten für Pflanzen, Steine etc. Genau wie Taylor im 18. Jhd. sind heutige Tierrechtsgegner gesellschaftlich anerkannt, und können doch so falsch liegen. Das Unvermögen der Menschen, die Subjektivität ihrer Zeit zu sehen, ist grenzenlos.

Richard

p.s. stay tuned for some mind-blowing GEMA shit!

12. März 2010

Musikrabatt für Gehörlose

Filed under: Allgemein — Richard @ 00:44

Heute einen Schluck Jägermeister:

Trotz momentaner hoher Auslastung (4 Jobs an 3 Tagen sind irgendwie nicht zu empfehlen) kann ich nicht warten, bis ich den nächsten Artikel fertig recherchiert habe. Mich hat wirklich der Hitler aus den Latschen gehauen, als ich las, dass die GEMA

Sondernachlässe für soziale und karitative Einrichtungen / Veranstaltungen

vergibt, und zwar beispielsweise

33 1/3 % für gesellige Veranstaltungen von Gehörlosen-Vereinigungen.

(Quelle: http://www.gema.de/musiknutzer/sozial-und-kulturtarif/ )

Dazu muss man wissen, dass die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) auf Grundlage des Urheberrechts Geld für jede Veranstaltung kassiert, auf der Musik von Platte oder Live gespielt wird, die bei der GEMA registriert ist. Wie das genau abläuft und worin der Sinn und Unsinn besteht, demnächst – ersteinmal seid beruhigt.

Solltet ihr gehörlos sein, bekommt ihr beim Musikhören ja Rabatt.

Greetz

he’s quarter alive, he’s three fourths dead… Richard

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